Wer sich auskennt beim Weltwirtschaftsforum, dem stehen ebenso anregende wie aufregende Tage bevor. Wer nicht, droht zwischen Hunderten Veranstaltungen und Prominenten verloren zu gehen.
Wo sollte man besser erfahren, wie es der Weltwirtschaft geht, als in Davos, wo die Größten der Großökonomen und Chefberater sind? Sollte man meinen. Nur: Bei 2500 teilnehmenden Denkern ist nicht einfach, auszumachen, was man in Davos so denkt. Es sei denn beim legendären Auftaktpodium mit Programmtitel „Update 2008: Economics“. Das verfolgen selbst Promis, die sonst nie im Publikum sitzen, sondern auf Podien. Während sich oben Top-Optimisten und -Pessimisten gegenseitig für dumm erklären.
Wie es um die Welt steht, ist mit etwas Feingefühl dann daran messbar, wie verloren eine Seite mit ihren Argumenten wirkt. In den vergangenen Jahren galt das für Morgan-Stanley-Pessimist Stephen Roach, letztes Jahr für Nouriel Roubini, die gegen Optimisten wie Ex-Notenbankchef Jacob Frenkel oder Ex-Clinton-Beraterin Laura Tyson alt aussahen. Diesmal dürfen Roach und Roubini erstmals beide aufs Podium. Statt Frenkel und Tyson. Kein gutes Zeichen.
Internationale Konferenzen sind immer auch Treffen der Dolmetscher. Ob G8, EU oder Uno: Meist wird aus einer Vielzahl fremder Sprachen in mehrere andere übersetzt. Das Weltwirtschaftsforum dagegen kennt nur eine offizielle Sprache: Englisch. Die Lingua franca der Moderne wird an allen Tischen und auf allen Fluren gesprochen. Jeder setzt voraus, dass der andere ihn versteht. Ausnahmen gibt es nur, wenn ein prominenter Gast auf dem Podium unbedingt in der Muttersprache reden will – dann gibt es auch in Davos eine Übersetzung ins Englische. Im vergangenen Jahr nahm Kanzlerin Angela Merkel dieses Recht bei ihrer Eröffnungsrede in Anspruch.
Wenn alle eine Sprache sprechen, bedeutet das aber nicht, dass sich alle auch gut verstehen. Die Akzente sind vielfältig und manche Aussprache vom Oxfordenglisch weit entfernt. Aber wer einmal Forumsgründer Klaus Schwab gehört hat, weiß: Es geht um die Botschaft, nicht um die schöne Aussprache.
Wenn es Nacht wird in Davos und Tony Blair, Bill Gates und Bono die Welt gerettet haben, geht es im Grunde erst richtig los: Es wird gefeiert. Ob Deutsche Bank, Burda oder McKinsey, sie alle machen ihre Partys. Sie alle tragen dick auf. Google will alles im Corporate Design, da kommen dann kleine Küchlein mit der Glasur in Google-Farben. Bei McKinsey, wo man spät nachts sogar Post-Chef Klaus Zumwinkel auf der Tanzfläche noch hoppeln sehen kann, wird man bereits Mitte der Woche so hochgekocht, dass man sich erst wieder beruhigt, wenn am nächsten Tag Kofi Annan spricht.
Einziges Problem: Die Partys stehen in keinem Programm. Wer wichtig ist, erhält natürlich eine Einladung. Für den Rest gibt es eine Faustformel: Im Steigenberger Belvédère finden jeden Abend parallel eine Handvoll Partys statt. Zwar haben viele Partys Gästelisten und Türsteher. Aber die Amerikaner sind eher generös, und für die anderen Partys gilt: anstellen oder dumm stellen.
Inspirationen liefern – das ist eine Grundidee des Weltwirtschaftsforums. Abseits des Tagesgeschäfts sollen sich die Teilnehmer über gesellschaftliche Fragen austauschen können. Auf den ersten Blick scheint dieser Gedanke verloren gegangen zu sein: Das Schaulaufen der Prominenz überstrahlt die inhaltliche Arbeit, in den Besprechungsräumen der Hotels kungeln Einflussreiche unter sich.